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„Sehnsucht in die Ferne“ - Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff – von links nach rechts Florian Dickgreber (Kreismuseum Wewelsburg), Dirk Brassel, Stadt Brakel, Klaus Schumacher, Kreisdirektor des Kreises Höxter, Paderborns Landrat Manfred Müller, Dr. Andreas Neuwöhner, Kulturamt der Stadt Paderborn, Kurator Dr. Jens Kloster, Dr. Jochen Grywatsch, Leiter der Droste-Forschungsstelle der LWL-Literaturkommission für Westfalen sowie Andreas Weiß, stellvertretender Leiter des Kreismuseums Wewelsburg, laden zur multimedialen Zeitreise in die Wewelsburg ein (Bildnachweis: Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kreis Paderborn, Michaela Pitz)
 

Kreismuseum Wewelsburg

Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Tel.: 02955 / 7622-0
Fax: 02955 / 7622-22
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›»Sehnsucht in die Ferne«. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff‹

Multimediale Sonderausstellung vom 21. Mai bis 13. August im Burgsaal der Wewelsburg

„Die Zeit läuft so schnell, und immer Confuser – daran sind die Eisenbahnen Schuld“, schrieb Annette von Droste-Hülshoff am 27. April 1845. Insgesamt neun Jahre ihres Lebens reiste die wohl wichtigste und anerkannteste deutschsprachige Literatin des 19. Jahrhunderts durch ihre westfälische Heimat bis in die Schweiz und an den Bodensee. Ihre Briefe zeugen von der Mühsal des damaligen Reisens in der Postkutsche. Das Dampfboot empfand sie als „Höllenmaschine“. Ganz neue Raum- und Zeitdimensionen erschlossen sich ihr bei der Fahrt auf einer der ersten Eisenbahnstrecken. Mit der Beschreibung der Landschaften, die sie durchreiste, schuf sie Weltliteratur. „›»Sehnsucht in die Ferne«. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff‹ heißt der Titel einer außergewöhnlichen Ausstellung, die ab dem 21. Mai im Kreismuseum Wewelsburg gezeigt wird. Die Besucherinnen und Besucher erwarten keine herkömmliche Vitrinen sondern szenische „Inseln“, die mit vielen medialen und interaktiven Elementen zur Teilnahme einladen.

Die Beschäftigung mit Literatur nehme zu, sagte Landrat Manfred Müller bei der eröffnenden Pressekonferenz. Für ihn sei es spannend zu sehen, dass in Zeiten der Globalisierung mit ihren vielen Umbrüchen die Menschen sich wieder auf das besinnen, was vor Ort sei, ihnen Sicherheit und Stabilität gebe. Annette von Droste-Hülshoff sei eine herausragende westfälische Dichterin, die im 19. Jahrhundert und damit auch in einer Zeit großer Umbrüche und technischer Entwicklungen gelebt habe. Sie habe ihren Heimatraum auf sehr unterschiedliche Weise zum Thema vieler ihrer Texte gemacht. Er betonte zudem, dass sie eine außergewöhnliche Frau gewesen sei, die sich mit der ihr gesellschaftlich zugedachten Rolle nicht begnügt sondern ihre Rechte als Schriftstellerin eingefordert habe.

Annette von Droste-Hülshoff ist mit so bekannten Werken wie »Die Judenbuche« oder dem Gedicht vom »Knaben im Moor« in jeder Literaturgeschichte vertreten und wird gerade als Lyrikerin international geschätzt. Museumsleiterin Kirsten John-Stucke betonte, dass sie auch die Wewelsburg persönlich kannte. Sie habe die charakteristische Dreiecksburg, „die sich hart an den schönen Ufern der Alme erhebt“, so Droste-Hülshoff, als den interessantesten Punkt in der Nähe Paderborns bezeichnet. Deshalb freue sie sich sehr, dass die Ausstellung in der Wewelsburg starte. Diese öffne die Augen für den besonderen Blick der Dichterin auf die westfälische Landschaft, das Rheinland und die Regionen, bevor sie an anderen Orten ihres literarischen Wirkens gezeigt werde. Klaus Schumacher, Kreisdirektor des Kreises Höxter, betonte, dass er mit Freuden der Kooperation zugestimmt habe. Denn die westfälische Dichterin habe auch im Kreis Höxter viele Spuren hinterlassen.

Dr. Jochen Grywatsch, Leiter der Droste-Forschungsstelle der LWL-Literaturkommission für Westfalen und Erster Vorsitzender des Droste-Forums e.V. erklärte, dass Literatur im Kopf entstehe. Die Hälfte des Werkes von Droste-Hülshoff sei während auswärtiger Aufenthalte vom Paderborner und Höxteraner Land bis zum Bodensee entstanden. Man müsse die Bedingungen jener Zeit berücksichtigen. Nur wenigen war es vergönnt, überhaupt aus ihrem Ort herauszukommen. Wer mehr als 30 Meilen reiste, galt als eine Art Odysseus. Annette von Droste-Hülshoff sei viel weiter noch als in der Wirklichkeit in ihrem Kopf gereist. Literatur entstehe im Kopf. Deshalb habe man bei der Ausstellungskonzeption einen emotionalen Zugang gewählt. Literatur wird hier zeitgemäß und spannend inszeniert.

Am Anfang stand intensive Recherche, auch die Briefe wurden ausgewertet. 2014 wurde eine eigene Projektgruppe gebildet aus Vertretern der Projektpartner, das sind die Städte Brakel und Paderborn, die LWL-Literaturkommission für Westfalen, das Droste-Forum e.V. sowie der Kreis Paderborn. Kurator der Ausstellung ist Dr. Jens Kloster.

Die Ausstellung zeigt – eingebunden in insgesamt zehn Landschafts- und Reisearchitekturen – zahlreiche Exponate aus dem Leben der Annette von Droste-Hülshoff und ihrer Zeit. Dabei wird auch manche Besonderheit aus Familienbesitz präsentiert, die bisher nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Darunter beispielsweise ein Koffer, der eher einer Truhe ähnelt. Da die Mitnahme von Gepäck oft sehr teuer war, wurde es oft mit der Post vorausgeschickt. Gezeigt wird auch ein Bild „Der Alchimist“ von Martin Joachim Schmid, das Annette von Droste-Hülshoff während ihrer Reisen erworben hatte und vorab zur Burg Hülshoff sandte. Ein umfangreiches, eigens für die Ausstellung eingesprochenes Angebot an vertonten Texten der Autorin steht den Besuchern für ein tieferes Einlassen in das Werk der Dichterin zur Verfügung. Das eigene Handy wird zum Audioguide. Besonderes Highlight ist ein außergewöhnlicher Ort der Poesie, für den eigens rezitiert, komponiert und vor allem programmiert wurde, so dass eine multimediale Virtual-Reality-Installation entstehen konnte, „die einlädt zum vollständigen Eintauchen in die Welt der Literatur der Annette von Droste-Hülshoff“, erläutert der stellvertretende Museumsleiter, Andreas Weiß.

Ein vielfältiges und abwechslungsreiches Begleitprogramm bietet den Besuchern die Möglichkeit, sich auf verschiedenen Wegen weiteren Aspekten des Ausstellungsthemas zu nähern. So gibt es szenische Lesungen aus Droste-Originaltexten, Vorträge zu Aspekten ihres Werkes und eine Exkursion auf den Spuren Annette von Droste-Hülshoffs in das Sauerland. Ein Flyer informiert über Ausstellung und Begleitprogramm. Für jeden Besucher gibt es kostenlos als Geschenk ein Souvenir-Mäppchen mit Postkarten, die mit kleinen Literaturhäppchen Lust machen auf mehr.

Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Sonntag, 21. Mai. Um 18 Uhr startet die szenische Lesung „du bist nicht ich“ mit Originaltexten von Annette von Droste-Hülshoff und Judith Kuckart im Burginnenhof der Wewelsburg.

Der Eintritt in die Ausstellung ist kostenlos.

Ausstellungsdaten: 21. Mai bis 13. August 2017

Anmeldung zu Veranstaltungen und Kartenreservierungen unter Tel.: 02955 7622-0.

Weiterer Hintergrund:
Eine eigene Begleitpublikation zur Ausstellung wird voraussichtlich im Juli 2017 erscheinen. Sie umfasst nicht nur wissenschaftliche, gleichwohl allgemein lesbare, einführende Aufsätze zum Thema „Reisen und Landschaft bei Annette von Droste-Hülshoff“, sondern auch Texte, in denen sich moderne Autoren mit Texten Drostes auseinandersetzen. Die Texte der Gegenwartsautoren wurden eigens für diese Publikation geschrieben. Die Publikation wird mit Bildern aus der Ausstellung illustriert sein.

Gefördert wurde die Ausstellung vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Kunststiftung NRW, Kulturland Kreis Höxter, Kultursekretariat NRW Gütersloh

 
 
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