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Historisches Museum des Hochstifts Paderborn
 

Kreismuseum Wewelsburg

Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Tel.: 02955 / 7622-0
Fax: 02955 / 7622-22
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Dauerausstellung im Historischen Museum des Hochstifts Paderborn

Ausstellungsrundgang

Lange her und doch ganz nah: Burgen und vorindustrielles Leben (Räume 2, 5-7)

Raum 7

Raum und Zeit bilden den Rahmen für geschichtliche Abläufe. Jeder von uns bewegt sich in diesem Rahmen und ist deshalb ein Teil der Geschichte. Das erste Leitthema der Dauerausstellung macht daher mit ganz bestimmten Ausprägungen von Raum und Zeit vertraut, die für die Wewelsburg und die Menschen im Paderborner Land eine Rolle gespielt haben.

Die Wewelsburg ist selbst das wichtigste Ausstellungsstück dieses Museums und zugleich ein überaus vielschichtiges. Mit ihrem Namen weckt sie Erwartungen, die sich an Vorstellungen mittelalterlicher Ritterburgen knüpfen. Erbaut wurde sie allerdings sehr viel später, im frühen 17. Jahrhundert, und zwar als „festes Schloss“. Auch die zahlreichen Bilder spielen eine Rolle, die wir selbst vom Mittelalter und seinen Burgen im Kopf haben – zumeist mit geringem Bezug zum „echten“ Mittelalter. Diese Vorstellungen von einer weit zurückliegenden Epoche werden durch die Objekte und Bilder im ersten Raum beleuchtet und hinterfragt.

Auch die Zeit und die Art, wie wir diese erfahren, trennen uns von unseren Vorfahren. Natürliche Zyklen und kirchliche Feiertage gliederten die Zeit und die Arbeitsabläufe der Menschen vor der Industrialisierung. Exakt bemessene, möglichst kurze und effektiv genutzte Zeiträume bilden heute die Lebensrealität. Eine große Vielfalt an Exponaten erzählt hier von diesen unterschiedlichen Zeit-Erfahrungen.

Die Wewelsburg (Räume 8 und 9)

Raum 9

Die Wewelsburg ragt durch ihre bis heute erhaltene geschlossene Dreiecksform unter den Schlossbauten Deutschlands heraus. Diese Gestalt wirft viele Fragen auf: Weshalb wählte sie der Baumeister? Wer war der Bauherr des Schlosses und welche Ziele verfolgte er mit dessen Erbauung? Wie wurde diese besondere Anlage später genutzt? Ausgehend von einem großen Schlossmodell und vielen weiteren Objekten werden diese Fragen im Obergeschoss des Südostturmes beantwortet.

Der Platz, an dem die Wewelsburg 1603 bis1609 errichtet wurde, war schon vorher bebaut. Eine mittelalterliche Burganlage im Eigentum der Paderborner Bischöfe lässt sich bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Leben ihrer Bewohner konnte durch umfassende Ausgrabungen im Innenhof der Wewelsburg rekonstruiert werden. Zahlreiche Funde daraus sind in diesem Bereich der Dauerausstellung zu sehen. Zugleich lohnt sich hier ein Einblick hinter den heutigen Wandverputz: Ein Stück Mauerwerk eines mittelalterlichen Wohnturms, der beim Bau der Schlossanlage miteinbezogen wurde, ist an dieser Stelle freigelegt.

Zeitreise durch die Geschichte des Hochstifts Paderborn (Raum 10)

Raum 10

Die Zeitreise beginnt in der Mittelsteinzeit vor etwa 80 000 Jahren bei den ersten menschlichen Spuren im Gebiet des späteren Hochstifts Paderborn. Sie erzählt, wie die jungsteinzeitlichen Menschen sesshaft wurden und ihre Toten unter anderem in den für diese Region typischen Steinkistengräbern bestatteten. Dann werden die weiteren Epochen der Ur- und Frühgeschichte, die hier ihre Spuren hinterlassen haben, behandelt. Neben Funden aus der Bronze- und Eisenzeit zählen dazu beeindruckende Gegenstände aus dem einstigen Römerlager Anreppen an der Lippe bei Delbrück um 5 n. Chr.

Der mittelalterliche Abschnitt der Zeitreise erzählt von der Eroberung und Missionierung der Sachsen durch Karl den Großen, der Bedeutung der Bischöfe von Paderborn bei der Christianisierung und ihrer Rolle als weltliche Fürsten mit dem Hochstift als eigenem Territorium. Bedeutende Bischöfe, wie Meinwerk oder Rotho, werden vorgestellt. Und ein in der Afte bei Büren entdecktes Schwert lässt die „Ritterzeit“ aufleben.

Im Abschnitt zur Frühen Neuzeit laden historische Karten die Zeitreisenden dazu ein, sich im Hochstift Paderborn nach der Art des 17. und 18. Jahrhunderts zu orientieren. Damals begann die moderne Kartierung des heutigen Westfalen. Die konfessionellen und kriegerischen Auseinandersetzungen des 16. bis 18. Jahrhunderts bilden mit vielen überlieferten Objekten und Grafiken die nächsten Abschnitte der Zeitreise. Sie endet mit der Aufhebung des Hochstifts Paderborn 1802 durch Napoleon und gibt einen Ausblick darauf, was an die Stelle des Hochstifts trat.

Klerus, Religiosität und Adel (Räume 11 und 12)

Raum 11

An der Spitze der geistlichen Landesherrschaft stand der Fürstbischof, wichtige Ämter wurden von Geistlichen besetzt. Durch das Konzil von Trient, das im Gefolge der Reformation den Katholizismus stärken sollte, wurde die Ausbildung und der allgemeine Bildungsstand der Kleriker verbessert und standardisiert. Diese Entwicklung kann beispielsweise anhand der rekonstruierten Bibliothek eines Pfarrers aus dieser Zeit und den gelehrten historischen Werken Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg nachvollzogen werden.

Der (Selbst-)Darstellung des Adels im Hochstift Paderborn ist ein eigener Raum gewidmet. Porträts Adliger, künstlerisch gestaltete Grabdenkmale, die auf besondere Weise die Erinnerung an die Verstorbenen wachhalten sollten, oder kostbare Kleidermode geben einen Eindruck von der Bedeutung dieser gesellschaftlichen Schicht im Hochstift. Dies spiegelt sich auch in einer Auswahl wertvoller Sammlerstücke wider, die im Zentrum dieses Raumes präsentiert werden.

Die Ausstattung der Kirchen und das Erscheinungsbild von Liturgie und Frömmigkeit im Zeitalter der „Katholischen Reform“ zeigten Pracht und Theatralik. Ausgewählte Beispiele sakraler Figuralplastik geben einen Eindruck vom Schaffen ostwestfälischer Bildhauerwerkstätten des 17. und 18. Jahrhunderts. Es werden Gegenstände für den Gottesdienst gezeigt, die eine große Schauwirkung entfalteten. Die Bevölkerung verehrte die Heiligen in Gestalt von Abbildungen auf Andachts- und Hinterglasbildern oder vertraute sich ihnen in Gestalt von Prozessionen und intensiven Vorkehrungen für eine gute Sterbestunde an.

Den Abschluss dieser Museumsabteilung bilden Textilien aus einstigen jüdischen Gemeinden des Hochstifts, zum Beispiel aus Warburg. Das Modell einer Synagoge erläutert die Ausstattung dieser Mittelpunkte des jüdischen Gemeindelebens beispielhaft.

Stadt und Bürger (Räume 13-15)

Raum 14

Am Ende des Mittelalters gab es im Hochstift Paderborn 23 Städte – eine für damalige Verhältnisse und in Relation zur Größe dieses Territoriums verhältnismäßig hohe Zahl. Die Bischöfe gründeten Städte aus wirtschaftlichen, strategischen oder militärischen Gründen. Die unterschiedlichen Facetten des Lebens in diesen städtischen Gemeinden, z. B. „Bauen und Wohnen“, „Feuergefahr und Wasserversorgung“ oder „Handel und Geld“, sind Thema dieses Abschnittes.

Bürgerliche Wohnkultur um 1800 anhand zweier originaler Möbelensembles aus dem Hochstift ist das Thema eines weiteren Raums. Hier zeigen wir als herausragendes Exponat auch ein Vorlagenbuch, das vom 17. bis in das frühe 19. Jahrhundert in Benutzung war und Entwürfe für Innenraumdekore und Möbel enthält.

Danach geht es um eine verschwundene Stadt, eine spätmittelalterliche Stadtwüstung aus der Gegend zwischen Lichtenau und Warburg. Blankenrode existierte nur rund 150 Jahre, ehe es unterging. Da dieser Platz aber nie wieder bebaut wurde, konnten zahlreiche Funde gemacht werden. Diese und eine Medienstation geben Auskunft über die Besiedlung und die Gründe für das Verschwinden Blankenrodes.

Land und Bauer (Räume 16-19, 22)

Raum 18

Trotz einer relativ weit entwickelten Stadtlandschaft war das Hochstift im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wesentlich durch das Leben auf dem Land geprägt. Die Landwirtschaft bildete die Existenzgrundlage der Menschen. Ihre Entwicklung und die Bedeutung der Landwirtschaft für die Arbeitsverhältnisse und das Wohnen der Menschen werden hier dargestellt. Auch das System der „5-Felder-Wirtschaft“ oder der Aufbau eines ländlichen Fachwerkhauses werden hier erklärt. Ein reich ausgestatteter Brautschatz aus dem späten 18. Jahrhundert umfasst die Vielfalt einer frühneuzeitlichen Haushaltseinrichtung und zeigt zugleich, auf welche Weise Reichtum in der ländlichen Gesellschaft nach außen gezeigt wurde .

Im Wald begegneten sich die wirtschaftlichen Interessen von Landbevölkerung und privilegierten Ständen. Dieser Teil des Landes unterlag einer entsprechend intensiven und konfliktreichen Nutzung. Historische Werkzeuge, Jagdwaffen und Bildquellen bieten Einblicke in die Rolle des Waldes als Holzlieferant, Jagdrevier oder Weidegebiet.

Naturgeschichte (Räume 20, 21 und 25)

Raum 25

Die prägenden Landschaftselemente im Gebiet des früheren Hochstifts und ihre Entstehung sind die zentralen Fragen der naturgeschichtlichen Abteilung. Nach einem Rundgang zu typischen naturräumlichen Merkmalen dieser Region, wie zum Beispiel markanten vulkanisch bedingten Erhebungen oder spaltenreichen Kalkhochflächen, kann man in die Tiefen jener erdgeschichtlichen Epochen hinabsteigen, die diese Landschaftsmerkmale hervorgebracht haben. Dazu zählen die Eiszeiten mit den aus dieser Epoche stammenden, beeindruckenden Knochenfunden von Wollnashorn und Mammut. Aber auch ein Einblick in die Kreidezeit wird gewährt, als vor rund 100 Millionen Jahren ein flaches tropisches Meer mit seinen Ablagerungen das Fundament der heutigen Paderborner Hochfläche legte.

Gesellschaftliche Außenseiter und Mobilität (Räume 23, 24 und 26a)

Raum 26a

Im Hochstift Paderborn dauerte es bis zum 18. Jahrhundert, bis die Grenze zur benachbarten Landgrafschaft Hessen festgeschrieben war. Historische Grenzsteine und die Reproduktion einer zeitgenössischen Karte demonstrieren diesen langen Prozess.

Mit der Festlegung von Grenzen für das Territorium gingen die Definition seiner Untertanen und die Ausgrenzung anderer Gruppen einher. Sie konnten in den Augen der Landesbehörden als kulturell andersartig, schädlich oder kriminell erscheinen. Unter den entsprechenden Einschränkungen und Diskriminierungen litten insbesondere Sinti und Juden. Ein „Zigeunerpfahl“ und Dokumente der Ablehnung von Juden im Hochstift Paderborn belegen diese Sichtweise des frühneuzeitlichen Staates auf bestimmte soziale Gruppen.

Ein einzigartiges Objekt beleuchtet die rechtlich sehr schwache Position unterbäuerlicher Schichten gegenüber dem Adel im späten 18. Jahrhundert. Am Beispiel der 250 Jahre alten, aber hervorragend erhaltenen Jacke des Kuhhirten Hans Cord Marx, genannt Plöger, wird die Geschichte seiner Auseinandersetzung mit dem Gutsbesitzer von Reden, seine tödliche Verletzung durch den Adligen und die gerichtliche Aufarbeitung dieses Falls erzählt.

Trotz der territorialen Grenzen war spätestens im 18. Jahrhundert auch für das Hochstift Paderborn ein überregionales Wegenetz mit Postlinien für Brief- und Personenverkehr essentiell. Über diese Routen gelangten Wanderarbeiter und Gewerbetreibende in das Paderborner Land und beeinflussten sein Wirtschaftsleben. Historische Karten, ein alter Entfernungsmesser und Grafiken mit Illustrationen typischer Wandergewerbe legen von dieser Entwicklung Zeugnis ab. Ein Stück des originalen Hellwegs verweist dabei aber darauf, dass schon viele Jahrhunderte früher überregionale Verkehrswege durch das Hochstift existiert haben.

Sicherheit und Ordnung (Räume 3, 4 und 26b)

Raum 3

Sicherheit und Ordnung bildeten entscheidende Begriffe des frühneuzeitlichen Staates. Seine Einwohner sollten zu guten Untertanen erzogen werden. Eine großformatige Collage aus „Hochfürstlich-Paderbörnischen Landes-Verordnungen“ aus der Zeit um 1780 verdeutlicht die Bestrebungen der staatlichen Obrigkeit, ihre Untertanen im Alltag zu kontrollieren und unliebsame Auswärtige auszugrenzen. Bei Widerstand wurde das Zuchthaus zum Ort, in dem der Staat zwangsweise zu erziehen versuchte – und dies unter teilweise erbärmlichen Bedingungen, wie man am Original einer Latrine aus einer Arrestzelle in der ehemaligen fürstbischöflichen Kanzlei in Paderborn erkennen kann.

Eine besondere Form der Verfolgung von Untertanen bildeten die Hexenprozesse im Hochstift Paderborn. Am Originalschauplatz zweier Verhöre gegen angebliche Hexen in der Wewelsburg, dem sogenannten „Hexenkeller“, wird dieses grausame Kapitel aus der Geschichte des Hochstifts beleuchtet.

Auch das Militär des Fürstbistums stand im Dienst polizeilicher Ordnung. Dies zeigte sich zum Beispiel beim Paderborner „Kaffeelärm“ 1781, als der Fürstbischof die Neuhäuser Kompanie gegen jene Untertanen einsetzte, die auf ihrem Kaffeegenuss beharrten. Ein Zinnfigurenmodell erzählt diese spannende Geschichte. Darüber hinaus lagen die Einsätze des Paderborner Militärs vor allem im auswärtigen Kriegsdienst für das Reich, unter anderem im Siebenjährigen Krieg. Historische Schlachtpläne und – in einer Hörstation – der Oberst Friedrich Anna Ewald von Kleist, damaliger Kommandeur des Paderbörnischen Infanterie-Bataillons, berichten darüber.

Sicherheit spielte auch bei bestimmten Handwerkszweigen eine große Rolle, darunter bei dem mit Feuer arbeitenden Schmiedehandwerk. Das Museum verfügt über die originale Schmiedeeinrichtung der Schmiede Balkenhol aus Bleiwäsche bei Bad Wünnenberg. Sie wurde vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts betrieben und vermittelt heute in der Ausstellung wieder ein Gefühl für diese handwerkliche Arbeit und ihre einst große Bedeutung – bei besonderen Veranstaltungen auch in Gestalt richtiger Vorführungen.

Landhandwerk und vorindustrielle Produktion (Räume 27-29)

Raum 27

Außerhalb des Zunfthandwerks der Städte gab es im Hochstift Paderborn auf dem Lande eine Vielzahl von Handwerkszweigen, die für ein Funktionieren der bäuerlichen Wirtschaftsweise grundlegend waren. Die Ausstellung stellt beispielhaft das Schuhmacherhandwerk, die Korbmacherei, die Herstellung von Stoffen und die traditionelle Technik des Blaudrucks vor. Technisches Geschick und Einfallsreichtum waren aber auch auf jedem einzelnen Hof gefragt, etwa wenn es um die Vorratshaltung ging, aus der einige Methoden präsentiert werden.

Eine vorindustrielle Gewerbeproduktion gab es im Hochstift Paderborn nur vereinzelt. In Altenbeken am Rande des Eggegebirges wurde über viele Jahrhunderte Eisen gewonnen und zu Ofenplatten verarbeitet. Unterschiedliche Öfen stehen in der Dauerausstellung für diese „Altenbekener Spezialität“. Zu großer Kunstfertigkeit gelangten die Glashütten der Region im 18. Jahrhundert, vor allem die Glashütte Emde bei Brakel. Die hier reichlich zur Verfügung stehenden Rohstoffe für die Glasproduktion wurden unter anderem zu wertvollen Deckelpokalen verarbeitet, die Absatz bei einem exklusiven Kundenkreis fanden. Das Museum verfügt über beeindruckende Beispiele dieser Glasmacherkunst, die den Abschluss des Rundgangs bilden.

 
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